Oskar Lafontaine im Deutschlandfunk:Forderung nach Schuldenschnitt - "Griechenland nicht weiter Rattengift schlucken lassen"

"Man hätte aus europäischer Sicht schon 2010 sagen sollen, dass man keinem überschuldeten Land immer weiter Kredite gibt. Das ist einfach völlig idiotisch, um es mal deutlich zu sagen. Sondern man hätte schon da über einen Schuldenschnitt sprechen müssen und sagen müssen, ihr kriegt einen Schuldenschnitt, aber dann kommt ihr selber zurecht." Das hat Oskar Lafontaine im Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt. "Die Wirtschaftspolitik, die bisher völlig gescheitert ist, die ja die Verschuldung in Griechenland immer weiter nach oben getrieben hat und die die Arbeitslosigkeit mächtig gesteigert hat, hat der Nobelpreisträger Armatya Sen als Mischung aus Rattengift und Antibiotika bezeichnet... Diese Milliarden sind ja angehäuft worden, als es Alexis Tsipras noch gar nicht gab als Ministerpräsident, sondern sie sind ja in den vergangenen fünf Jahren angehäuft worden. Und wenn man nach diesen Milliarden fragt, muss man natürlich diejenigen fragen, die diese Kredite beschlossen haben, obwohl sie alle wussten, dass Griechenland seit 2010 zahlungsunfähig ist, also überschuldet ist. Insofern war das eine völlig unverantwortliche Politik auch hier in Deutschland... Ich freue mich, dass es innerhalb der SPD Kritik daran gibt, denn die SPD ist die Partei der europäischen Einigung und die Sozialdemokraten sollten insbesondere ein Spiel durchschauen. Es sind ja nicht die griechischen Rentner in den letzten Jahren gerettet worden, sondern die waren immer mit neuen Kürzungsprogrammen konfrontiert, ebenso wie die Arbeitnehmer. Und Sigmar Gabriel übersieht, dass die gegenwärtige Politik nicht nur in Griechenland Rentnern und Arbeitnehmern schadet, sondern auch in Deutschland Rentnern und Arbeitnehmern schadet, denn die jetzige Politik ist eine neoliberale Politik und in Deutschland haben wir ein Lohndumping seit vielen, vielen Jahren, das eines der großen Probleme, wenn nicht sogar das größte Problem der Währungsunion ist..."

Das Interview in voller Länge gibt es hier

"Ich wollte immer die soziale Lage der Menschen verbessern" - Oskar Lafontaine im Interview mit dem Deutschlandfunk

Oskar Lafontaine im Interview mit dem Deutschlandfunk: "Aufgewachsen bin ich eben im katholischen Arbeitermilieu. Das war eine Straße, in der Hüttenarbeiter wohnten. Das hat mich geprägt. Meine Mutter war ja selbst auf der Hütte, zuerst auf der Dillinger Hütte, dann auf der Völklinger Hütte, und insofern ist das das Milieu, aus dem ich komme und das mich bis zum heutigen Tage geprägt hat....Ich komme aus dem katholischen Arbeitermilieu und ich wollte eben immer die soziale Lage der Menschen verbessern. Und die größte Herausforderung war ja, als der Neoliberalismus aufkam und auch die deutsche Sozialdemokratie anfing, sich neoliberalen Gedanken zu öffnen. Der Höhepunkt war ja die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze....Die Linke war ja ein Versuch, die Sozialdemokratie zur Korrektur zu zwingen, und das ist eben nicht gelungen. Also das sehe ich als ein, wenn man so will, ein Feld an, wo eben der Erfolg ausgeblieben ist, den Zerfall des Sozialstaates zu stoppen. Das war ja im Grunde genommen die überwältigende Idee bei allem. Und an der Front kämpfe ich heute noch, wenn Sie so wollen..."

Hier gibt es das komplette Interview (Externer Link)

Veröffentlichungen von Oskar Lafontaine

28. Juli 2015

Oskar Lafontaine: Konzeptloses Regierungshandeln gefährdet Eigenständigkeit des Saarlandes

Zum Jahresbericht des Rechnungshofes erklärt Oskar Lafontaine: „Es ist erstaunlich, dass Finanzminister Toscani aus dem aktuellen Bericht des Rechnungshofes eine Bestätigung der Politik der Landesregierung herauslesen will. Dabei kommt der Rechnungshof erneut zu dem Schluss, dass die Bemühungen von CDU und SPD nicht ausreichen, ...

24. Juli 2015

Oskar Lafontaine: Weggang Schlingmanns als Intendantin ist Rückschlag für saarländische Kulturpolitik

Die Linksfraktion im Saarländischen Landtag sieht im Weggang der Staatstheater-Intendantin Schlingmann einen Rückschlag für die saarländische Kulturpolitik. Oskar Lafontaine erklärt: „Frau Schlingmann hat Saarbrücken zu einem bundesweit beachteten Theater-Standort gemacht. Trotz knapper Mittel hat sie gute Arbeit geleistet. ...

Aktuelle Debatten

31. Juli 2015

Norbert Häring: "Junckers Fünfpräsidentenbericht: Der Weg zum postdemokratischen Europa"

In „Die Lügen des Jean-Claude Juncker (2)“ hatte ich aufgeschrieben, was in dem programmatischen Fünfpräsidentenbericht zur Härtung der Währungsunion alles grob falsch dargestellt wird. Nun will ich die Fäden zusammenziehen und aufschreiben, was die Lügen verbergen sollen, den Plan für ein postdemokratisches, allein von ...

Von: Norbert Häring
16. Juli 2015

„Kohl hatte einen großen Erfolg errungen“

Interview mit Oskar Lafontaine in der "Saarbrücker Zeitung" zu den politischen Auswirkungen des Treffens im Kaukasus vor 25 Jahren

Linken-Politiker Oskar Lafontaine war im Wahljahr 1990 als Kanzlerkandidat der SPD Gegenspieler von Helmut Kohl. Er galt als Skeptiker der deutschen Wiedervereinigung. Wie beurteilt er im Rückblick das „Wunder vom Kaukasus“? SZ-Redakteurin Iris Neu sprach mit ihm. ...

03. Juli 2015

Oskar Lafontaine in der "Saarbrücker Zeitung": „Die USA überwachen die ganze Welt“

Herr Lafontaine, offenbar wurden auch Sie von der NSA abgehört – und zwar als Bundesfinanzminister 1998/99. Was, glauben Sie, war der Grund? ...

Oskar Lafontaine beim Sommerfest der Linksfraktion im Saarländischen Landtag

Mehr Belegschaftsbeteiligung - Rede Oskar Lafontaines vor saarländischen Betriebsräten

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