Oskar Lafontaine: Vergiftete Gesellschaft – der Neoliberalismus tötet die Nächstenliebe

09. Sep 15, 12:09
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„Pack“ hat Sigmar Gabriel die fremdenfeindlichen Demonstranten in Ostdeutschland genannt, „wir sind das Pack“ ist nun ihr Schlachtruf. Jakob Augstein  hat vor kurzem geschrieben: „Die Rechten grenzen die Ausländer aus. Die Mehrheitsgesellschaft grenzt die Rechten aus. So kann man das machen. Und rührt dabei nie an die Wurzeln des Problems: eine zunehmend ungerechter werdende Gesellschaft“, die die Nächstenliebe tötet. Unter Demokraten sollte es selbstverständlich sein, dass man sich schützend vor Schutzsuchende stellt, und Angriffe auf Flüchtlings-Unterkünfte als das bezeichnet, was sie sind: Terror. Das heißt aber nicht, dass man Ängste großer Teile der Bevölkerung ignorieren darf. Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Armut, vor dem Ausgegrenzt-Sein. Die Gesellschaft ist vergiftet. Wer Angst vor dem Abstieg hat, Angst davor, morgen nutzlos zu sein, tritt nach Schwächeren, um sich damit zu beweisen, dass noch jemand unter ihm auf der Leiter steht. Und so entsteht Hass auf Menschen mit ausländischen Wurzeln ebenso wie auf Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger, Behinderte. Maßgebliche Teile der Eliten und Besserverdienenden verweigern sich der Solidargemeinschaft. Die Reichen kämpfen erfolgreich gegen Vermögensteuer, Erbschaftsteuer und betreiben einen Klassenkampf von oben, während die Armut wächst. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Deutschen und Migranten, sondern zwischen arm und reich, mächtig und ohnmächtig. Das beste Mittel gegen zunehmende Menschenfeindlichkeit ist soziale Gerechtigkeit. Also weg mit Leiharbeit, dem Missbrauch von Werkverträgen, Billiglöhnen und Armutsrenten.